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Auf einem 25.000 Quadratmeter großen Waldstück in Hausberge hat der Familiensportbund Minden sein Zuhause. In der Coronazeit sind immer mehr naturverbundene Mitglieder hinzugekommen.

Andreas Meyer ist der erste Vorsitzende des Familiensportbunds Minden. Neben vielen neuen Mitgliedern freut sich der Verein über Fördermittel, um das Areal in Hausberge zu modernisieren. MT-Foto: Patrick Schwemling

Porta Westfalica-Hausberge. Das mechanische Rolltor braucht zwei Anläufe, dann öffnet es sich langsam. Dahinter wartet Andreas Meyer vor einem beachtlichen Anstieg, der zu „unserer kleinen Oase mitten in Hausberge“ führt. So beschreibt Meyer, erster Vorsitzender des Familiensportbunds Minden, das Waldstück des Vereins am Papensgrund. Blickdichte Zäune umgeben das rund 25.000 Quadratmeter große Gelände, auf dem es an diesem Montagmorgen ruhig zugeht – und ungewöhnlich viel Kleidung getragen wird. Der Verein steht nämlich nicht nur für Sport, sondern vor allem für Freikörperkultur (FKK), und hat besonders in den letzten Jahren viele neue Mitglieder gewonnen.
„So langsam wird es hier oben eng“, sagt Meyer – wenngleich das kein Vergleich zu vollen Freibädern oder Badeseen im Hochsommer ist: „Dann sind bei uns 50 bis 60 Personen zeitgleich auf dem Gelände.“ 110 Mitglieder zählt der Verein inzwischen wieder, nachdem es in den 1990er Jahren nur grob die Hälfte waren. Einer von den neuen Mitgliedern ist Thorsten Todeskino aus Porta. Er ist seit 2021 Mitglied, hat laut Meyer einen der Vorzeigeplätze mit seinem Wohnwagen errichtet und arbeitet an diesem Montag vom Vereinsgelände aus im Homeoffice. „Das ist einfach großartig hier“, sagt der Portaner, der nur wenige Kilometer entfernt wohnt.

Die Mitglieder investieren viel Zeit, Geld und Arbeit, damit die Stellplätze so gemütlich wie möglich aussehen. MT-Foto: - © Patrick Schwemling

„Wir beobachten ganz deutlich, dass die Menschen regionaler unterwegs sind und wieder offener für FKK“, erklärt der 53-Jährige, der selbst vor sechs Jahren mit seiner Familie in den Verein eintrat und eine Anreise aus Springe im Landkreis Hannover auf sich nimmt. „Nackt zu sein ist für uns normal“, beschreibt er das Vereinsleben. Zwar sei dies abgesehen vom textilfreien Schwimmbecken nicht vorgeschrieben, aber die meisten Mitglieder würden schon zu einem Großteil der Zeit nackt herumlaufen. „Sonst würde man sich ja wahrscheinlich auch einen anderen Verein oder einen normalen Campingplatz aussuchen“, sagt Meyer, der vor 25 bis 30 Jahren zur FKK kam. „Bei einem Familienurlaub in Cuxhaven war der Strand abgesehen von einem Abschnitt total voll. Nach ein paar Minuten haben wir gemerkt, dass es ein FKK-Strand war. Wir haben kurz überlegt, uns darauf eingelassen und nach zwei Stunden war es völlig normal für uns.“ Etliche FKK-Urlaube folgten, ehe sich die Familie dem Familiensportbund anschloss. „Neben uns kommen viele Mitglieder von weiter weg, teilweise aus den Niederlanden.“

Auf dem 2,5 Hektar großen Areal gibt es ungefähr 40 Stellplätze für Wohnwagen, außerdem kann gezeltet werden. MT-Foto: - © Patrick Schwemling

40 Stellplätze für Wohnwagen sind auf dem Areal vorgesehen, außerdem kann gezeltet werden. Manche Mitglieder kämen tageweise, manche blieben mehrere Wochen. „Zuletzt sind auch wieder jüngere Familien mit kleinen Kindern dazugekommen“, freut sich Meyer. Er habe beobachtet, dass die jüngeren Generationen offener mit dem Thema Nacktheit umgingen. Das sei auch für den Verein nicht unwichtig. „Trotzdem tritt man hier eher nicht mit 18 Jahren oder mitten in der Pubertät ein. Von 30 bis 90 Jahren und natürlich vielen Kindern ist bei uns alles vertreten“, sagt er.
Neben dem Mitgliederzuwachs flatterte am 5. April diesen Jahres eine weitere erfreuliche Nachricht ins Vereinshaus. Über das Förderprogramm „Moderne Sportstätten 22“ des Landes Nordrhein-Westfalen wurden dem 17.000 Euro bewilligt. „Das klingt erstmal nicht nach viel, ist für uns aber unheimlich wichtig“, freut sich Meyer. Mit dem Geld wird einer der zwei Tennisplätze auf dem Gelände zu einer modernen Boulebahn umgestaltet. „Das ist hier auf dem Gelände der Trendsport Nummer eins“, sagt der Vorsitzende. Bislang würden die Mitglieder auf den Wegen und Wiesen spielen, bald geht es deutlich professioneller zu: „Ein Paar von uns tritt sogar bei den Deutschen Meisterschaften des Familiensportbunds an.“ Im Juli sollen die Arbeiten starten, in der Sommersaison 2022 bereits gespielt.

Der vordere Tennisplatz soll bald einer Boulebahn weichen. Für den Bau gibt es Fördergelder in Höhe von 17.000 Euro. MT-Foto: - © Patrick Schwemling

Mindestens genauso wichtig ist für Meyer das zweite Projekt, das mit der Hilfe der Fördermittel realisiert wird. Am rund 20 Metern langen Naturpool steht eine in die Jahre gekommene Dusche. „Sie ist vor allem nicht barrierefrei und da mussten wir gerade mit Blick auf unsere älteren Mitglieder ansetzen“, erklärt der 53-Jährige. Wie bei der Boulebahn würden die Arbeiten zeitnah starten – und insgesamt rund 30.000 Euro kosten.
„Wir werden auch viel Eigenleistung einbringen. Das ist hier aber immer der Fall“, sagt Meyer. So würden die Mitglieder Rasen mähen, Holzfällarbeiten durchführen und noch viel mehr. „Übrigens nicht immer nackt“, so der Vorsitzende – aber mit einem Ziel: Dass die kleine Oase mitten in Hausberge weiterhin ein Rückzugsort bleibt, um die Natürlichkeit der Nacktheit in der Natur zu erleben.

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